
Manufakturen-Blog-PopArt-Projekt: Screenshot vom 27. Juli 2026 mit der begehrten Follower-Zahl ‚1000‘; zu sehen sind unten rechts übrigens farbumgekehrt acht Elefanten-Plastiken aus der Porzellanmanufaktur Reichenbach, in deren Produktion im Jahr 2018 fotografiert (Foto: Wigmar Bressel)
Bremen, 27. Juli 2026. Seit ein paar Tagen hatte ich schon daraufhingehofft – und „nur noch einmal schlafen“, wie man es Kindern vor Heiligabend sagt, heute morgen war es endlich soweit – der eintausendste Abonnent aka ‚Follower‘ bei Instagram ist endlich da. Schnell ein Screenshot vom Handybildschirm gemacht (nicht, dass noch ein eintausendundeinster hinzukommt und die runde Bildschirmanzeige verwässert!), dann nachgeschaut, wer der Nette – weil: Abonnent – ist: ein Edmond Léger aus Ontario in Kanada; selbst ein abstrakter Künstler, pensionierter Kunstlehrer, nach eigenem Bekunden Sohn einer indianischen Mutter und eines französischstämmigen früheren Einwanderers (so seine Internetseite) – kein Hinweis auf einen ganz berühmten Vorfahren oder Verwandten namens Fernand, na gut, man kann nicht alles haben.
Erwartet hatte ich nichts davon, als ich am 9. September 2019 auf Drängen meiner Freundin Antje Hatzler eine weitere Instagram-Seite einrichtete und in Ergänzung des Manufakturen-Blogs das ‚Manufakturen-Blog-PopArt-Projekt‘ startete. Natürlich mit der Weiterentwicklung eines Kunstwerks, einer Plastik eines Elefanten aus der inzwischen geschlossenen Gräfenthaler Porzellanmanufaktur, für den die Erwerber der Nutzungsrechte, die Familie Geithe von der Porzellanmanufaktur Reichenbach, eine Verwendungsmöglichkeit suchten. Im Zuge eines Ideenfindungs-Workshops mit Künstlern, die schon mit Porzellan gearbeitet hatten, befasste sich die Berlinerin Maria Volokhova, die für ihr Porzellan-‚Bestiarium‘ bekannt ist, mit diesem und setzte ihm mehrere flirrende Schmetterlinge in Übergröße auf, kitschig und knallbunt bemalt. Es war von mir jedenfalls eher ein Zufallsfoto, dass ich beim Manufakturrundgang im Lager schoss. Die Fotoauflösung eigentlich zu niedrig für den späteren Ausschnitt aus dem Regal. Unklar, was das im Blog ausdrücken sollte – vielleicht, dass eine kleine Firma mit noch nicht einmal zwanzig Mitarbeitern sich innovativ einen Künstler-Workshop zu ihren Produkten und Fragen (Wer kauft in der nächsten Generation noch Porzellanplastiken?) erlaubt, wo doch alle so sehr auf die Kosten achten?
Als ich den weißen Elefanten am Bildschirm mit meinem Fotobearbeitungsprogramm in Rosa tauchte und die Schmetterlinge aufeinmal in schönsten Neonfarben losschrien, da wusste ich für mich: Das will ich zeigen. Keine Ahnung, was man im thüringischen Reichenbach davon hielte. Keine Ahnung, was Frau Volokhova in Berlin dazu sagen würde. Sicherheitshalber markierte ich sie erstmal nicht unter dem Foto. Zweifel und Selbstzweifel, Unsicherheit und auch die Frage, ob man mir mit „Nutzungsrechte-Verletzung“ käme – was man sich als erwachsener Mensch so denkt, wenn man etwas anders postet, als die Welt es gemeinhin erwartet.
734 Posts im PopArt-Projekt und vier Kunstausstellungen, Zeitungsartikel und eigenes Audiologo, dem Schritt ins Internet und mehrere Publikationen weiter, stelle ich mir diese Fragen seltener.
Instagram fand zeitgenössische Kunst bisher uninteressant und hat diese auf ihrer Plattform eher linksliegengelassen. Etwas enttäuscht von der eigenen Performance hatte ich mich 2024 mit einem Sabbat-Jahr revanchiert. Trotz sorgfältigster Befolgung der Spielregeln hatte das Kunstprojekt für die Manufakturen nach fünf Jahren gerade einmal 650 Follower. Gut, Andere hatten natürlich noch weniger. Vor Jahren gab es einmal eine gefühlte 300er-Grenze, wie mir andere Erwachsene ihre Ansicht über eine Erfolgszahl mitteilten. Und damit auch jeden Tag die Frage, wie man seine Zeit sinnvoller einsetzen könnte – trotz des netten Austausches mit Museumsdirektoren, Galleristen und kunsttuenden Kollegen in der eigenen kleinen Bubble. Klar war ja immer: Die Musik spielt – trotz der Streamingdienste, kann man wortwitzeln – in der realen Welt.
Dann kam das Jahr 2026 – und im Frühjahr eine spürbare Änderung beim Algorhythmus. Auf einmal lief es und in sieben Monaten nun ein Aufwuchs um 50 Prozent auf die erhoffte Vierstelligkeit – und ein Ende noch nicht in Sicht, so dass die Verdoppelung der persönlichen Nutzerzahlen nun im Raum steht. Wie schön! Also bleibt es einstweilen dabei, dass das #Manufakturen-Blog-PopArt-Projekt ein Instagram-Projekt ist. Und ein herzliches Willkommen nach Kanada!